Piz Güglia / Julier (3380 m ü. M) – der Felsblock des Engadins

Um mein heutiges Ziel, den Piz Güglia, zu erreichen, gäbe es auch noch die Möglichkeit einer Rundtour mit Start oder Ziel an der Julierpassstrasse.





Diesen Weg vom Julierpass habe ich jedoch vor Jahren schon einmal gemacht. Der Gipfel ist von überall im Engadin als markanter, klotziger Berg zu erkennen. Der lange Ostgrat zum Gipfel lässt jedes Bergsteigerherz höherschlagen. ORGASMUS PUR!!


7. Juli 2026


1 Der Weg führt mich zunächst in St. Moritz bei der Signalbahn über einen Wander- und Bikeweg bergwärts. Beim Punkt 2311 m zweigt der Alpinwanderweg ab. Bis hierhin ist die Steigung moderat, nun wird der Pfad etwas steiler und bald auch deutlich steiniger.


2 Der Pfad ist hervorragend markiert und die Schwierigkeiten halten sich in Grenzen. Einzig die letzten Meter zur Fuorcla Albana sind etwas mühsam, kräftezehrend und stellenweise sehr rutschig.


3 Bei der Fuorcla Albana eröffnet sich der Blick auf die eindrückliche Südwand des Piz Güglia. „ORGASMUSBLICK“ Dass der Weg zum Gipfel noch weit und steil sein wird, ist hier bereits klar ersichtlich. Weniger offensichtlich ist jedoch, dass der sichtbare Gipfel lediglich ein Vorgipfel ist. Das eigentliche Gipfelziel bleibt zunächst verborgen und zieht sich vom Vorgipfel aus noch einmal ordentlich in die Länge.


4 Nun ändert sich das Terrain schlagartig. Über Felsen folge ich dem bestens markierten Weg meist direkt dem Grat entlang. Immer wieder kommen dabei auch meine Hände zum Einsatz.


5 Mit Markierungen wurde ebenso wenig gespart wie mit dem Verbauen von Eisen. Alle heikleren Stellen sind mindestens mit einer Kette gesichert, die ganz exponierten Abschnitte gar mit einer Art Geländer. Wirklich heikel wird es für mich jedoch nie. Trittsicherheit und eine Portion Schwindelfreiheit sind allerdings Voraussetzung, denn die Tief- und Weitblicke sind atemberaubend.


6 Ab und an frage ich mich schon, wo hier wohl ein Weg hinaufführen soll. Aus der Nähe wirkt jedoch alles eine Spur harmloser als aus der Distanz. Die Schwierigkeiten bewegen sich gefühlt im Bereich T4+ (offiziell gemäss SAC: T5).


7 Im Bereich des Vorgipfels verlässt die Route den Grat und verläuft über längere Zeit durch die Südflanke, bevor ich kurz vor dem Gipfel wieder auf den Grat gelange. Der Weg zieht sich nun richtig in die Länge.


8 Nach einer kurzen Pause, die hilft, den Puls wieder etwas zu beruhigen, und nach einem kurzen Abstieg mit unmittelbar folgendem Gegenanstieg stehe ich schliesslich auf dem Gipfel.


9 Die 360°-Rundumsicht ist herrlich und reicht heute ausgesprochen weit. Der Piz Bernina mit seinem berühmten Biancograt zeigt sich ebenso eindrucksvoll wie viele weitere namhafte Bündner Berge.


10 Lange geniesse ich das herrliche Panorama, bevor ich mich an den Abstieg mache. Dieser ist schnell erzählt, da er auf demselben Weg erfolgt, jedoch nicht unbedingt schnell absolviert ist. Das Gelände fordert gerade im Abstieg eine gewisse Vorsicht, zumindest bis zur Schutzhütte auf der Fuorcla Albana.


11 Der T4-Abstieg bis hinunter auf den Bergwanderweg fühlt sich geradezu einfach an und so komme ich rasch vorwärts. Dieser Abschnitt liegt bereits im Schatten. Aufgrund der hohen Temperaturen bin ich darüber gar nicht unglücklich. Nach der Alpinwanderung folgt nur noch gemütliches Auslaufen nach Champfer bei St. Moritz.


12


Schwierigkeiten:
• Signalbahn bis P. 2311 m: T2
• Auf- und Abstieg Fuorcla Albana: T3/T4
• Auf- und Abstieg Ostgrat: T5
• P. 2311 – Champfer: T2


13


Fazit:
Ein Muss für jeden Bergsteiger!
Der Ostgrat ist Spektakel vom Feinsten. Obwohl es fast etwas zu viele Ketten, Seile und Geländer gibt, schmälert das die Faszination dieses Grates keineswegs.